AI chan nöd so kompliziert sii

Alli Artikel

Praxis

D KMU stelled ii, nöd d Konzern

Der AI Job Report der Hochschule Luzern zählt knapp 5'000 KI-Inserate in einem Jahr. 76 Prozent des Wachstums kommt von KMU, und Berufseinsteiger haben kaum eine Chance

Montag, 12. Oktober 2026 · F.S. · 3 Min. Lesezyt

Ein kleines Werkstattgebäude links, in der Mitte ein Stelleninserat an einer Pinnwand, rechts eine Leiter mit gestrichelter unterster Sprosse

Wenn über KI und Arbeitsmarkt geschrieben wird, geht es meistens um Stellen, die verschwinden. Der AI Job Report der Hochschule Luzern vom 8. Oktober 2026 schaut auf die andere Seite: Stellen, die ausgeschrieben werden. Und das Ergebnis widerspricht der verbreiteten Vorstellung, KI sei ein Thema für Konzerne.

Die Zahlen

Ausgewertet wurden knapp 5’000 KI-Stelleninserate aus der Periode Juli 2025 bis Juni 2026, ein Zuwachs von 32 Prozent gegenüber der Vorjahresperiode. Seit Juli 2024 umfasst der Datensatz 8’439 Inserate.

Die zentrale Zahl: KMU schreiben 62 Prozent aller KI-Stellen aus und stehen für 76 Prozent des gesamten Zuwachses.

Weitere Befunde:

  • Der IT-Sektor ist mit 1’211 Inseraten der grösste Einzelsektor
  • Das stärkste Wachstum zeigen öffentliche Institutionen mit plus 67 Prozent
  • Data Engineering und Machine Learning Engineering machen zusammen knapp 40 Prozent aller Inserate aus
  • Der Kanton Zürich stellt mit 2’181 Inseraten 45 Prozent des Markts
  • Die Zentralschweiz liegt mit 100 bis 140 Inseraten pro 100’000 Einwohner über dem Schweizer Schnitt von 96, der Kanton Luzern wuchs um 55 Prozent

Die Zahl, die weh tut

Senior-Stellen haben um 42 Prozent zugelegt. Junior-Festanstellungen machen 5 Prozent aller Inserate aus.

Fünf Prozent. Bei knapp 5’000 Inseraten sind das etwa 250 Stellen für Berufseinsteiger, verteilt über die ganze Schweiz und ein ganzes Jahr.

Das ist für ein KMU eine doppelt unangenehme Nachricht. Erstens konkurriert man um erfahrene Leute nicht mehr mit ein paar Technologiekonzernen, sondern mit Hunderten anderer Betriebe, die dasselbe suchen. Zweitens gibt es den naheliegenden Ausweg, jemanden Jüngeren zu nehmen und selbst aufzubauen, am Markt praktisch nicht, weil ihn fast niemand anbietet.

Was ich daraus ableite

Intern aufbauen ist keine Sparvariante, sondern der Normalfall. Wer wartet, bis die passende Person sich bewirbt, wartet lange. Die realistische Alternative ist, jemanden aus dem bestehenden Team in die Rolle hineinwachsen zu lassen, mit Zeit und mit einer Weiterbildung. Seit diesem Jahr gibt es dafür einen eidgenössisch anerkannten Weg, den wir im Beitrag zum Fachausweis AI Business Specialist durchgerechnet haben, inklusive der Kosten, die in den Broschüren fehlen.

Die gesuchte Rolle ist oft nicht die gebrauchte. Data Engineering und Machine Learning Engineering dominieren die Inserate. Das sind Rollen für Betriebe, die eigene Modelle bauen oder grosse Datenmengen bewegen. Ein Treuhandbüro, eine Schreinerei oder eine Gemeindeverwaltung braucht in aller Regel etwas anderes: jemanden, der einen Anwendungsfall erkennt, ihn prüft und die Einführung begleitet. Wer diese Rolle als «Machine Learning Engineer» ausschreibt, bekommt entweder niemanden oder die falsche Person.

Die Region ist ein Argument. 45 Prozent der Inserate entfallen auf den Kanton Zürich. Wer ausserhalb sitzt, konkurriert in einem dünneren Markt, aber auch mit weniger Mitbewerbern um dieselben Leute. Die Zentralschweizer Zahlen zeigen, dass sich das verschieben kann.

Zur Einordnung der Studie

Der Report stammt vom Applied AI Center der Hochschule Luzern, Autor ist Dr. Curdin Derungs. Die Stellendaten liefert die x28 AG, ein kommerzieller Anbieter von Stellenmarktdaten.

Zwei Dinge gehören dazu. Erstens verkauft die HSLU selbst KI-Weiterbildungen und hat damit ein Interesse an einem wachsenden KI-Arbeitsmarkt. Zweitens hängt die Aussage «62 Prozent der KI-Stellen bei KMU» stark davon ab, wo die Grenze zwischen KMU und Grossunternehmen gezogen wird, und davon, was als KI-Stelle gezählt wurde. Beides steht im Report und sollte man nachlesen, bevor man die Zahl weiterträgt.

Was an der Studie überzeugt: Sie misst Inserate, also tatsächliches Verhalten, nicht Absichtserklärungen aus einer Umfrage. Das ist in diesem Feld selten.

Der Satz zum Mitnehmen

Wer 2027 jemanden für KI-Themen sucht, sucht in einem Markt, in dem erfahrene Leute knapp und Berufseinsteiger praktisch nicht ausgeschrieben sind.

Daraus folgt nicht, früher zu suchen. Daraus folgt, nicht zu suchen, sondern auszubilden.

Quellen

  • Hochschule Luzern, Medienmitteilung zum AI Job Report 2026, 8. Oktober 2026: hslu.ch
  • AI Job Report 2026, vollständiger Bericht (PDF): hslu.ch

Meh us «Praxis»