Es eidgenössischs Papierli für KI im Gschäft
Ab Herbst 2026 gibt es den AI Business Specialist mit eidgenössischem Fachausweis. Was er kostet, was der Bund zurückzahlt und wo die Werbung schönrechnet
Bisher hiess KI-Weiterbildung in der Schweiz: ein Kurs bei einem Anbieter, ein Zertifikat mit dessen Logo, und die Frage im Bewerbungsgespräch, was das wert sei. Seit dem 7. Oktober 2025 gibt es darauf eine andere Antwort. An diesem Datum trägt die Prüfungsordnung für die Berufsprüfung «AI Business Specialist mit eidgenössischem Fachausweis», genehmigt vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation. Trägerschaft ist ICT-Berufsbildung Schweiz, allein und für die ganze Schweiz.
Das ist ein Unterschied in der Kategorie, nicht im Grad. Ein eidgenössischer Fachausweis ist ein staatlich anerkannter Abschluss der höheren Berufsbildung, gleich geordnet wie der Fachausweis im Marketing oder in der Personalführung. Er ist geschützt, er steht im Lebenslauf, und der Bund beteiligt sich an den Kosten.
Was dieser Abschluss eigentlich ist
Nicht Programmieren. Der Titel sagt Business, und die Prüfung meint es so. Geprüft wird in drei Teilen:
| Prüfungsteil | Form | Dauer | Gewicht |
|---|---|---|---|
| Identifikation und Prüfung einer KI-Einsatzmöglichkeit | Präsentation und Fachgespräch, mündlich | 45 Min. | 50 % |
| Integration von KI-basierten Lösungen | Fallstudien, schriftlich | 120 Min. | 25 % |
| Herausforderungen beim Einsatz von KI | Critical Incidents, mündlich | 60 Min. | 25 % |
Zusammen 225 Minuten. Bestanden hat, wer in keinem Teil unter der Note 4.0 liegt. Die Hälfte des Gewichts liegt also auf der Frage, ob jemand im eigenen Betrieb einen sinnvollen Anwendungsfall findet, ihn prüft und ihn vor kritischen Fragen verteidigen kann. Das ist ziemlich genau die Fähigkeit, die in KMU fehlt.
Zulassung. Zwei Wege führen hin: entweder ein EFZ oder eine gleichwertige Qualifikation im ICT-Berufsfeld plus zwei Jahre einschlägige Berufspraxis. Oder ein EFZ, eine Matura oder eine gleichwertige Qualifikation aus einem beliebigen Feld plus vier Jahre Berufspraxis, davon zwei Jahre in der Entwicklung oder im Management von Projekten, Produkten oder Prozessen. Der zweite Weg ist der für die kaufmännische Seite. Ein Vorbereitungskurs ist nicht obligatorisch.
Die Rechnung, ehrlich gemacht
Die erste eidgenössische Prüfung findet vom 30. Oktober bis zum 13. November 2026 statt. Parallel dazu starten am 24. Oktober 2026 die ersten Vorbereitungslehrgänge, unter anderem beim KV Luzern, bei der HKV Aarau und bei der KV Business School Zürich.
Hier ein Detail, das man kennen sollte, bevor man den Kalender falsch liest: Wer am 24. Oktober 2026 mit dem Lehrgang beginnt, schliesst ihn ein Jahr später ab und tritt zur Prüfung 2027 an, nicht zur ersten Durchführung.
Die Kosten beim KV Luzern, stellvertretend für das obere Mittelfeld:
- Lehrgang: 10’900 Franken
- Lernmedien («Meine Lernbox»): 950 Franken
- Prüfungsgebühr der Trägerschaft: 3’000 Franken inklusive Zusatzgebühren
Das sind 14’850 Franken brutto. In der Werbung taucht gerne die Zahl 5’925 auf, also die Hälfte von 10’900 plus 950. Dabei fällt etwas unter den Tisch: Prüfungsgebühren sind nicht beitragsberechtigt. Der Bund zahlt 50 Prozent der anrechenbaren Kursgebühren, bei einer Berufsprüfung höchstens 9’500 Franken, aber die Prüfung selbst zahlen Sie voll. Realistisch bleiben also rund 8’900 Franken bei Ihnen oder bei Ihrem Arbeitgeber.
Der Beitrag wird ausserdem erst nach der Prüfung beantragt, über das Onlineportal des SDBB, innert zwei Jahren nach Eröffnung der Prüfungsverfügung. Er kommt auch dann, wenn jemand durchfällt. Bedingung ist ein steuerlicher Wohnsitz in der Schweiz und ein Kurs, der auf der Meldeliste steht. Wer das Geld vorstrecken muss, sollte das in der Budgetplanung wissen.
Die Preisspanne zwischen den Anbietern ist beträchtlich. TEKO liegt bei rund 9’000 Franken für den Lehrgang, KV Luzern und HKV Aarau bei 10’900, Juventus Zürich und WISS bei 14’500. Der Abschluss ist überall derselbe, die Prüfung ohnehin. 10’900 Franken sind also nicht «der Preis», sondern einer von mehreren.
Lohnt sich das für ein KMU?
Für einen Betrieb mit fünf Leuten wahrscheinlich nicht. Für einen mit fünfzig kann es der günstigste Weg sein, eine interne Ansprechperson aufzubauen, statt jede Frage extern einzukaufen. Die Rechnung ist einfach: Rund 9’000 Franken netto und ein Jahr berufsbegleitender Aufwand gegen zwanzig Beratungstage zum Tagessatz.
Der weichere Nutzen ist der, über den niemand spricht. In Schweizer Betrieben ist die Zurückhaltung gegenüber KI selten technisch begründet, sondern eine Frage des Vertrauens: Wer sagt, dass das sauber läuft? Ein Kollege mit einem anerkannten Abschluss beantwortet diese Frage anders als eine Folie aus einer Präsentation. Wie unterschiedlich Akzeptanz und Nutzung in der Schweiz verteilt sind, zeigen die Studien, die wir im Beitrag KI-Nutzung in der Schweiz zusammengetragen haben.
Und wenn es dieses Jahr nicht passt: Der Abschluss läuft nicht weg. Die erste Durchführung ist immer die mit den meisten Unbekannten, für die Kandidatinnen wie für die Prüfenden.
Quellen
- ICT-Berufsbildung Schweiz, «AI Business Specialist», Übersicht und Prüfungstermine: ict-berufsbildung.ch
- ICT-Berufsbildung Schweiz, Prüfungsordnung über die Berufsprüfung für AI Business Specialist vom 7. Oktober 2025 (PDF): ict-berufsbildung.ch
- SBFI, «Häufige Fragen zu den Bundesbeiträgen an eidgenössische Prüfungen»: sbfi.admin.ch