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S Handy voll KI, im Chopf de Wunsch nach Rueh

KI-Akzeptanz in der Schweiz: warum die hohe Nutzung und die Ablehnung einer KI-Zukunft kein Widerspruch sind

Freitag, 28. August 2026 · F.S. · 4 Min. Lesezyt

Eine Balkenwaage: auf der linken Schale ein Mobiltelefon mit Funkwellen, auf der rechten Schale ein grosses Blatt

In derselben Woche erschienen zwei Studien, die sich auf den ersten Blick widersprechen.

Die eine, der IGEM-Digimonitor 2026, meldet: 80 Prozent der internetnutzenden Bevölkerung zwischen 15 und 75 Jahren nutzen KI-Anwendungen mindestens gelegentlich, doppelt so viele wie 2024. Bei den 15- bis 34-Jährigen sind es 91 Prozent, 44 Prozent davon täglich. Herausgegeben wird die Erhebung von der IGEM zusammen mit der WEMF, durchgeführt hat sie Intervista.

Die andere, der Zukunftskompass von Monda Futura zusammen mit gfs.bern, fragte rund 2200 Personen, wie sie sich die Schweiz der Zukunft wünschen. Bewertet wurden 40 Szenarien auf einer Skala von plus zwei bis minus zwei. Am schlechtesten schnitten ab: die datengetriebene Präzisionsgesundheit mit minus 0.24 und, mit minus 0.21, das Szenario «Menschen entscheiden, Künstliche Intelligenz führt aus». Am besten bewertet wurde nicht ein Technikszenario, sondern «blühende Natur durch bewussteren Konsum» mit 1.60.

IGEM-Digimonitor 2026 Monda Futura und gfs.bern
Gefragt wurde nach tatsächlicher Nutzung gewünschter Zukunft
Befragte 1957 Personen, März und April 2026, repräsentativ gezogen rund 2200 Personen, 40 Szenarien, offene Kampagnenbefragung
Methodische Einschränkung Vertrauensintervall rund 2 Prozentpunkte selbstrekrutiert, Rohstichprobe politisch verschoben, nach Gewichtung effektiv rund 700 Fälle
Herausgeber IGEM und WEMF, zwei Werbemarkt-Organisationen Monda Futura, ein Verein, der auf dieser Grundlage Beratung verkauft
Befund 80 Prozent nutzen KI mindestens gelegentlich KI-geführte Szenarien landen zuunterst, knapp im negativen Bereich

Ist das nun ein Widerspruch?

Nein. Die beiden Studien fragen nach Verschiedenem. Die eine misst, was Leute tun, wenn ihnen ein Werkzeug hilft. Die andere misst, in welcher Gesellschaft sie leben möchten. Ein Mensch kann bequem eine Maschine benutzen, die ihm eine Mail formuliert, und trotzdem nicht wollen, dass sein Land von Systemen durchgerechnet wird.

Wir kennen dieses Muster von anderswo. Fast alle fahren Auto, kaum jemand wünscht sich mehr Verkehr. Fast alle bestellen online, wenige wünschen sich weniger Läden im Dorf. Nutzung ist eine Aussage über den Alltag. Zustimmung zu einer Zukunft ist eine Aussage über Werte. Es ist ein Missverständnis der Technikbranche, die eine für die andere zu halten.

Was heisst das für einen Betrieb, der KI einführen will?

Es heisst: Verkaufen Sie es nicht als Zukunft. Verkaufen Sie es als Werkzeug für eine bestimmte Aufgabe. Wer seiner Belegschaft eine Transformation ankündigt, spricht genau die Ablehnung an, die diese Studie misst. Wer sagt, dass das Protokollieren von Sitzungen ab jetzt weniger weh tut, spricht den Alltag an. Der Unterschied entscheidet über die Einführung.

Drei Dinge folgen daraus, und keines davon ist Rhetorik.

Erstens: Beginnen Sie bei der Aufgabe, die im Betrieb am meisten nervt. Nicht bei der, die technisch am meisten hergibt. Wer die Ausschreibungssuche erträglicher macht, gewinnt mehr Vertrauen als wer eine Vision zeigt.

Zweitens: Sagen Sie klar, was nicht passiert. Das grösste ungesagte Thema bei jeder Einführung ist die Frage nach dem eigenen Arbeitsplatz. Solange sie unbeantwortet bleibt, beantwortet sie jeder für sich, und meistens pessimistisch. Ein Satz der Geschäftsleitung dazu ist mehr wert als drei Schulungen.

Drittens: Lassen Sie Nein zu. Ein Betrieb, in dem man sagen darf, dass man einen Text lieber selbst schreibt, bekommt ehrliches Feedback darüber, wo das Werkzeug taugt. Ein Betrieb mit Nutzungsquote als Kennzahl bekommt Nutzungsquote.

Und die Altersfrage?

Sie ist real, aber anders, als viele denken. 91 Prozent der 15- bis 34-Jährigen nutzen KI gelegentlich, 44 Prozent täglich. In der Praxis heisst das: Ihre jüngeren Mitarbeitenden haben die Werkzeuge längst im Griff und warten darauf, dass jemand sagt, was im Betrieb damit erlaubt ist.

Der Fehler wäre, daraus einen Generationenkonflikt zu bauen. Wer seit zwanzig Jahren Offerten schreibt, weiss besser als jede Maschine, welcher Satz beim Kunden zieht. Wer mit den Werkzeugen aufgewachsen ist, kommt schneller zu einem Entwurf. Die beiden zusammen an einen Tisch zu setzen ist billiger als jedes Schulungsprogramm und liefert bessere Ergebnisse. Vorausgesetzt, die ältere Person sitzt dort nicht als Lernende, sondern als diejenige, die beurteilt, ob das Ergebnis taugt.

Der Teil, der mich beschäftigt

Am meisten hängen geblieben ist mir nicht die Ablehnung, sondern welches Szenario unter den Technikszenarien zuoberst steht: «Bewusster Rückzug aus digitaler Dauerpräsenz und Künstlicher Intelligenz», mit 1.21. Das ist der höchste Wert im Technikteil, nicht des ganzen Sets, und es ist trotz seines Namens keine Absage an Technik. Es ist der Wunsch, selbst zu bestimmen, wann sie an ist.

Für ein Fachmedium über künstliche Intelligenz ist das eine unbequeme, aber nützliche Erinnerung. Der Massstab für ein gutes Werkzeug ist nicht, wie oft es benutzt wird. Es ist, ob man es weglegen kann, ohne dass etwas kaputt geht.

Wer heute in einem Schweizer Betrieb über KI entscheidet, entscheidet nicht über eine Technologie. Er entscheidet darüber, wie viel Ruhe im Arbeitsalltag übrig bleibt. Die Studien legen nahe, dass die Leute darauf achten, auch wenn sie es in der Umfrage anders formulieren als am Arbeitsplatz.

Weitere Beiträge finden Sie im Artikelarchiv von ejaj.ch, Veranstaltungen im Event-Kompass.

Quellen

  • IGEM-Digimonitor 2026, Studie zur Mediennutzung Schweiz: igem.ch
  • persoenlich.com, «IGEM-Digimonitor: KI-Nutzung in der Schweiz verdoppelt», 25. August 2026: persoenlich.com
  • Netzwoche, «Schweizer Bevölkerung lehnt KI-Zukunft ab», 27. August 2026: netzwoche.ch
  • Monda Futura, Verein für eine lebenswerte Zukunft, finanziert unter anderem vom Migros-Pionierfonds, vom Bundesamt für Raumentwicklung und von der Mobiliar: mondafutura.org
  • Netzwoche, «Schweizer Bevölkerung lehnt KI-Zukunft ab», 27. August 2026: netzwoche.ch

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