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Zwei vo drüü KMU chömed i kener Antwort vor

Zwei Schweizer Messungen haben nachgezählt, wie oft lokale Betriebe in KI-Antworten auftauchen. Das Ergebnis erklärt, warum eine saubere Website allein nicht reicht

Montag, 12. Oktober 2026 · F.S. · 4 Min. Lesezyt

Drei Firmenschilder nebeneinander, zwei davon gestrichelt gezeichnet, rechts ein Balkendiagramm mit einem sehr kurzen Balken

Vor zwei Wochen haben wir hier geschrieben, dass 58 Prozent der Schweizer KMU nie überprüft haben, was KI-Systeme über sie ausgeben. Das war eine Umfrage: Leute wurden gefragt, ob sie nachgeschaut haben.

Jetzt gibt es die Messung dazu. Und die ist unangenehmer.

Was gemessen wurde

Das Zuger Unternehmen Propus Codestudio hat 98 Deutschschweizer KMU aus Handwerk, Treuhand, Immobilien, Gastronomie und Gesundheit genommen und zu jedem sechs typische Kundenfragen an vier KI-Systeme gestellt. Insgesamt 2’178 Antworten.

63 Prozent der Firmen kamen in keiner einzigen Antwort vor.

Über alle Antworten hinweg lag die Erwähnungsquote bei 3 Prozent. Nach Branche: Handwerk 45 Prozent der Betriebe wurden mindestens einmal genannt, im Gesundheitsbereich 21 Prozent.

Eine zweite Messung kommt von der Agentur Frascati, die im September 2026 1’116 Antworten von Perplexity, Gemini und ChatGPT ausgewertet hat, zu 50 Schweizer Hotels, 50 Schweizer Optikern und 50 deutschen Optikern. Dort zeigt sich dasselbe Muster aus einem anderen Winkel: In 87,7 Prozent der Antworten zu Schweizer Optikern wurde mindestens eine Kette genannt. Ein einzelner unabhängiger Betrieb tauchte nur in 42,9 Prozent der Antworten für seine eigene Stadt auf. Bei den Hotels kamen 12 von 50 in keiner Antwort vor.

Der Befund, der die SEO-Logik aushebelt

Jetzt kommt die Zahl, die mich am meisten beschäftigt hat.

Die technische Qualität der untersuchten Websites war gut. Der Median lag bei 81 von 100 Punkten. Und trotzdem: Firmen mit strukturierten Unternehmensdaten wurden nicht häufiger genannt.

Das ist der Punkt, an dem die gewohnte Suchmaschinenlogik nicht mehr greift. Wer in den letzten Jahren gelernt hat, dass saubere Auszeichnung, schnelle Ladezeiten und ordentliche Überschriften die Hebel sind, hebelt hier ins Leere.

Was die Modelle stattdessen zitiert haben, sind Verzeichnisse:

Quelle Anteil der Antworten, in denen sie zitiert wurde
local.ch 63 %
search.ch 24 %
comparis.ch 23 %

Das heisst praktisch: Ein korrekter, vollständiger und aktueller Eintrag auf local.ch wirkt im Moment stärker als die eigene Website. Nicht weil die Website egal wäre, sondern weil die Modelle für lokale Fragen offenbar bevorzugt auf aggregierte, als verlässlich eingestufte Quellen greifen.

Was ich daraus ableiten würde

Erstens: Verzeichnisse zuerst. Prüfen Sie heute den Eintrag auf local.ch, search.ch und, falls relevant, comparis.ch. Firmenname genau wie im Handelsregister, Adresse, Telefon, Öffnungszeiten, Branche, eine Beschreibung in verständlichen Worten. Das kostet eine halbe Stunde und ist derzeit der direkteste Hebel.

Zweitens: die Leistung beschreiben, nicht bewerben. Ein Modell kann «ganzheitliche Lösungen für Ihren Erfolg» nicht einordnen. «Elektroinstallationen für Umbauten in Mehrfamilienhäusern im Raum Olten» schon. Das gilt auf der Website wie im Verzeichniseintrag.

Drittens: selber nachmessen, nicht glauben. Die Anleitung dafür haben wir vor zwei Wochen veröffentlicht, und sie gilt unverändert: drei Systeme öffnen, die Kundenfrage stellen, notieren was kommt. Die Schritte stehen im Beitrag Was verzellt de Chatbot über Ihres Gschäft?. Wie die technische Seite funktioniert und welche Einträge in robots.txt tatsächlich etwas bewirken, steht im Beitrag dazu, wie Schweizer KMU von KI gefunden werden.

Was an diesen Zahlen zu relativieren ist

Beides sind Momentaufnahmen, nicht peer-reviewed, und die Lage ändert sich schnell.

Wichtiger: Beide Absender sind kommerzielle Anbieter in genau diesem Markt. Frascati ist eine Agentur, Propus Codestudio eine Zuger Firma. Wer misst, dass KMU unsichtbar sind, verkauft plausibel auch die Lösung dafür. Keine der beiden Messungen legt einen Auftraggeber offen. Das macht die Zahlen nicht falsch, aber es erklärt, warum sie gemessen wurden und nicht etwas anderes.

Dazu kommt ein methodischer Punkt, der in die andere Richtung zeigt: Die untersuchten Firmen stammen aus typischen lokalen Suchen, sind also eher überdurchschnittlich auffindbar. Die 63 Prozent sind damit eher eine Obergrenze für die Sichtbarkeit, nicht eine Untergrenze. Für den Durchschnittsbetrieb dürfte es schlechter aussehen, nicht besser.

Der nüchterne Schluss

Niemand weiss, wie viel Umsatz heute tatsächlich über KI-Antworten entsteht. Diese Zahl existiert für die Schweiz nicht, und wer sie Ihnen nennt, hat sie geschätzt.

Was man weiss: Der Aufwand, einen Verzeichniseintrag zu korrigieren, beträgt eine halbe Stunde. Der Aufwand, in einem Jahr festzustellen, dass man seit zwei Jahren nicht genannt wird, ist höher.

Quellen

  • Netzwoche, «Schweizer KMUs bleiben in KI-Antworten oft unsichtbar», 29. September 2026: netzwoche.ch
  • Wozniak, Boenigk, Niederberger und Stutz, «KMU Digital Pulse 2026», Hochschule Luzern, 24. September 2026: zenodo.org

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