D Modäll sind halb so tüür wie im Summer
Die Preise pro Million Token sind seit Juni um 50 bis 80 Prozent gefallen. Wer damals eine KI-Anwendung als zu teuer verworfen hat, rechnet heute falsch. Die Abopreise sinken allerdings nicht mit
Im Juni dieses Jahres kostete eine Million Ausgabe-Token beim damaligen Spitzenmodell von OpenAI 30 Dollar. Heute kosten sie beim Nachfolger 10. Bei Anthropic ist der Lesezugriff auf den Zwischenspeicher innerhalb einer Modellgeneration um 60 Prozent gefallen.
Das ist in der Branche kaum eine Meldung wert, weil es alle paar Wochen passiert. Für ein KMU, das vor einem halben Jahr eine Offerte eingeholt oder eine eigene Rechnung gemacht hat, ist es dagegen die relevanteste Entwicklung des Quartals.
Was tatsächlich gesunken ist
Die folgenden Zahlen stammen von den Anbietern selbst, nicht aus Zusammenfassungen. Alle Angaben in US-Dollar pro Million Token.
Anthropic
| Modell | Eingabe | Ausgabe | Zwischenspeicher (Lesen) |
|---|---|---|---|
| Claude Opus 5 | 5.00 | 25.00 | 0.50 |
| Claude Opus 5.5 | 4.00 | 20.00 | 0.20 |
| Claude Sonnet 5.5 | 2.00 | 10.00 | 0.10 |
| Claude Haiku 5.5 | 0.10 | 0.50 | 0.01 |
Anthropic schreibt zum Nachfolgemodell ausdrücklich, Eingabe und Ausgabe seien 20 Prozent günstiger als bei Opus 5, der Zwischenspeicher 60 Prozent.
OpenAI
| Modell | Eingabe | Ausgabe |
|---|---|---|
| GPT-5.6 Sol | 4.00 | 20.00 |
| GPT-6 Sol | 2.00 | 10.00 |
| GPT-5.6 Luna | 0.20 | 1.20 |
| GPT-6 Luna | 0.10 | 0.50 |
Die Umstellung erfolgte am 22. September. Sol wurde in beide Richtungen exakt halbiert, bei Luna fiel die Eingabe um 50 und die Ausgabe um 58 Prozent. OpenAI begründet es mit Verbesserungen bei Inferenz und Zwischenspeicherung und hat bestätigt, dass es sich nicht um Aktionspreise handelt.
Davor lag bereits im Juli eine Senkung von rund 80 Prozent beim kleinen Modell.
Warum die Preise fallen
Die ehrlichste Antwort lautet: Die Modelle sind austauschbar geworden.
Vor zwei Jahren war der Wechsel zu einem anderen Anbieter ein Projekt. Heute ist er in vielen Werkzeugen eine Zeile in der Konfiguration. Wenn das Produkt vergleichbar und der Wechsel billig ist, bleibt der Preis als Hebel. Dazu kommt Druck von unten durch offene Modelle, die man selbst betreiben kann.
Die naheliegende Sorge, dass die Preise nach einer Phase des Lockens wieder steigen, lässt sich derzeit nicht belegen. Belegbar ist das Gegenteil, über fünf Monate und beide grossen Anbieter.
Was das für ein KMU heisst
Die Rechnung von vor sechs Monaten gilt nicht mehr. Wenn Sie im Frühling einen Anwendungsfall durchgerechnet und als zu teuer verworfen haben, lohnt sich der Blick nochmals. Bei den Aufgaben, die ein KMU typischerweise hat, also Texte zusammenfassen, übersetzen, Dokumente auswerten, sind die Beträge inzwischen oft kleiner als die Diskussion darüber.
Ein Beispiel zum Grössenvergleich: Eine Million Eingabe-Token sind grob 700’000 Wörter. Beim kleinen Modell von OpenAI kostet das heute zehn Rappen.
Die Abopreise fallen nicht mit. Das ist der Punkt, an dem es für die meisten Betriebe praktisch wird. Die Preise oben gelten für die Schnittstelle, also für den direkten Zugriff. Wer stattdessen ein Abo kauft, zahlt einen Sitzpreis, und der ist seit Monaten stabil. Microsoft stellt im Dezember die fortgeschrittenen Copilot-Funktionen sogar auf Verbrauchsabrechnung um, ohne einen Preis pro Einheit zu veröffentlichen. Wir haben das im Beitrag zu den Copilot Credits auseinandergenommen.
Daraus folgt eine unbequeme Frage: Wenn der Rohstoff um die Hälfte billiger wird und Ihr Preis gleich bleibt, wohin geht die Differenz?
Der Vergleich Abo gegen Eigenbau verschiebt sich. Bisher galt: Für die meisten KMU ist das Abo richtig, weil Betrieb und Wartung die Ersparnis auffressen. Das stimmt weiterhin, aber der Abstand ist kleiner geworden. Wo die Schwelle heute liegt und welche Kostenpunkte dabei regelmässig vergessen gehen, steht im Beitrag zu den KI-Abo-Kosten.
Was der Preis nicht sagt
Drei Einschränkungen, damit die Zahlen nicht mehr tragen müssen, als sie können.
Der Preis pro Token ist nicht der Preis pro Aufgabe. Ein Modell, das für dieselbe Antwort dreimal so viele Token verbraucht, ist trotz tieferem Tarif teurer. Neuere Modelle denken tendenziell länger.
Billiger heisst nicht gleich gut. Die Rückmeldungen zu einzelnen der neuen Modelle waren gemischt. Wer wechselt, sollte an der eigenen Aufgabe vergleichen und nicht an einer Bestenliste.
Der Tarif ist nicht die Rechnung. Dazu kommen Entwicklung, Prüfung, Einbindung und Betrieb. Bei einem kleinen Projekt ist der Modellpreis oft der kleinste Posten. Dass der Engpass ohnehin nicht bei der Produktion liegt, sondern bei der Kontrolle, haben wir im Beitrag zu den 718 gemessenen Firmen beschrieben.
Was ich einem KMU raten würde
Nehmen Sie den einen Anwendungsfall, den Sie im Frühling verworfen haben, und rechnen Sie ihn neu. Nicht als Projekt, sondern als halbe Stunde mit dem Taschenrechner.
Und wenn Sie ein Abo haben, das die fortgeschrittenen Funktionen enthält: Fragen Sie Ihren Anbieter, ob der Preis im nächsten Jahr sinkt. Die Antwort ist aufschlussreich, egal wie sie ausfällt.
Der Satz zum Mitnehmen
Der Rohstoff ist in fünf Monaten um die Hälfte billiger geworden. Ob das bei Ihnen ankommt, hängt davon ab, ob Sie ihn direkt beziehen oder verpackt kaufen.
Quellen
- Anthropic, Preisübersicht der Claude-Modelle: platform.claude.com
- Anthropic, «Introducing Claude Opus 5.5», 22. September 2026: anthropic.com
- VentureBeat, «OpenAI releases GPT-6 Sol and Luna models, slashing API costs 50% or more», 22. September 2026: venturebeat.com
- Max Woolf, «OpenAI and Anthropic cut their LLM prices by up to 80% within a few months. Why?», 25. Oktober 2026: minimaxir.com