Drü Sprache, ei Website. Und en Ordner voll Fehler!
Website und Dokumente mit KI auf Französisch und Italienisch übersetzen: welches Werkzeug wofür taugt, was es kostet und wo die Daten liegen
Ein Schreinereibetrieb im Kanton Solothurn liefert seit zwei Jahren auch nach Neuenburg und ins Tessin. Die Website gibt es auf Deutsch. Die Offerten auch. Irgendwann kommt der Moment, in dem jemand sagt: Das müsste man übersetzen. Und dann steht die Frage im Raum, ob eine Maschine das kann und was es kostet.
Kurze Antwort: Ja, sie kann es. Aber nicht so, wie die meisten sich das vorstellen.
Welches Werkzeug übersetzt eine Website am besten?
Für Fliesstext auf einer Website liefert ein spezialisierter Übersetzungsdienst wie DeepL die saubersten Sätze. Für Texte, die einen bestimmten Ton treffen müssen, ist ein Sprachmodell besser, weil man ihm den Ton beschreiben kann. Für vertrauliche Dokumente zählt der Datenstandort mehr als die Qualität. Die drei Fälle brauchen unterschiedliche Werkzeuge.
| Werkzeug | Stärke | Daten liegen | Kosten |
|---|---|---|---|
| DeepL (Gratisversion) | schnelle Sätze, gutes Deutsch nach Französisch | keine Standortzusage. DeepL verarbeitet seit Mai 2026 nicht mehr ausschliesslich in Europa. Inhalte fliessen in die eigene Entwicklung ein, vertrauliche und Personendaten sind laut Bedingungen gar nicht erlaubt | gratis, 50’000 Zeichen im Monat |
| DeepL (Bezahlversion) | Glossar, Dateiformate, Auftragsbearbeitungsvertrag | eine Verarbeitung nur in Europa gibt es als Data Residency erst ab Team aufwärts, und sie muss vereinbart werden | Individual 89.88 Euro im Jahr, Team 299.88 Euro pro Nutzer und Jahr ab zwei Lizenzen, also ab rund 600 Euro. Beides Jahrestarife, monatlich ist es teurer |
| Sprachmodell (ChatGPT, Claude, Gemini) | Ton, Anrede, Fachbegriffe nach Anweisung | je nach Anbieter, meist ausserhalb der Schweiz | im bestehenden Abo enthalten |
| Euria von Infomaniak | Verarbeitung in der Schweiz, kein Training mit Ihren Daten | Verarbeitung, Speicherung und Hosting ausschliesslich in der Schweiz | gratis mit 2 Projekten und 5 Gesprächen je Projekt. Mehr gibt es im Privatabo my kSuite+ für CHF 19 im Jahr, für einen Betrieb mit eigener Domain braucht es kSuite Pro mit Preis pro Nutzer |
Zwei Hinweise zur Gratisversion von DeepL, die oft untergehen. Erstens: Wer sie nutzt, gibt die eingegebenen Texte für die Weiterentwicklung des Dienstes frei. Zweitens, und das wiegt schwerer: Die Nutzungsbedingungen verbieten es ausdrücklich, mit dem Gratisdienst vertrauliche Inhalte oder Personendaten zu verarbeiten. Für eine Speisekarte ist das gleichgültig. Eine Offerte mit Kundennamen und Preisen dort hineinzukopieren ist nicht bloss unklug, sondern vertragswidrig. Dazu kommt der Standort: DeepL hat im Mai 2026 AWS als Unterauftragsverarbeiter aufgenommen und schreibt selbst, man verarbeite nicht mehr ausschliesslich in Europa. Eine Zusage auf Europa gibt es nur noch als Data Residency ab dem Team-Tarif, und sie muss vereinbart werden. Der Rechtsanwalt Martin Steiger hat die Bedingungen und die Preisentwicklung ausführlich beschrieben.
Die Schweizer Alternative ist neuer und weniger bekannt: Euria von Infomaniak läuft vollständig in Schweizer Rechenzentren. Das ist hier ausnahmsweise eine echte Landeszusage: Der Anbieter deckt in seiner Medienmitteilung ausdrücklich Verarbeitung, Speicherung und Hosting ab, nicht nur das Hosting. Ebenso hält er fest, dass keine Nutzerdaten für das Training von Modellen ausgewertet werden. Wer allerdings einen Auftragsbearbeitungsvertrag braucht, kommt um ein Infomaniak-Konto nicht herum; die kontenlose Gratisnutzung bringt keinen mit. Die Übersetzungsqualität liegt für Standardtexte im Rahmen, für literarische Feinheiten nicht.
Was kostet die Übersetzung einer Website wirklich?
Die Werkzeugkosten sind der kleinere Teil. Für einen Betrieb mit einer Website von zwanzig Seiten liegt der Aufwand fast vollständig beim Gegenlesen: rechnen Sie mit einer bis zwei Stunden pro tausend Wörter, wenn jemand im Team die Zielsprache gut beherrscht. Ohne diese Person wird es teurer, nicht billiger.
Denn genau hier entsteht der Schaden, den man später sieht. Eine maschinell übersetzte Seite liest sich flüssig und ist trotzdem falsch, wenn ein Fachbegriff verrutscht. «Auszug» wird im Bankkontext zu «extrait», richtig wäre «relevé de compte». Umgekehrt heisst der Betreibungsregisterauszug tatsächlich «extrait du registre des poursuites». Welche Variante stimmt, entscheidet der Zusammenhang, und genau den sieht die Maschine nicht. Einem deutschsprachigen Auge fällt der Unterschied nie auf.
In sieben Schritten zur dreisprachigen Website
- Terminologie zuerst. Sammeln Sie zwanzig bis fünfzig Begriffe, die in Ihrem Gewerbe eindeutig sein müssen, mit der gewünschten Übersetzung. Diese Liste ist das Wertvollste am ganzen Vorhaben.
- Anrede festlegen. Auf Französisch und Italienisch entscheidet «vous» oder «tu» über den Charakter der ganzen Seite. Entscheiden Sie das einmal, schriftlich, für alle Texte.
- Glossar hinterlegen. In der Bezahlversion von DeepL tragen Sie die Begriffsliste als Glossar ein. Bei einem Sprachmodell schreiben Sie sie in die Anweisung.
- Seitenweise übersetzen, nicht alles auf einmal. Kleine Abschnitte lassen sich prüfen, ein Export von achtzig Seiten nicht.
- Gegenlesen lassen. Von einer Person, die in der Zielsprache aufgewachsen ist. Ein Nachmittag mit einer Romande am Tisch ersetzt drei Runden Korrektur.
- Rechtstexte separat behandeln. Datenschutzerklärung, AGB und Impressum gehören nicht durch eine Maschine ohne juristische Prüfung.
- Eine Person benennen. Wer pflegt die Übersetzungen nach, wenn sich der deutsche Text ändert? Ohne diese Antwort veraltet die französische Seite innert eines Jahres.
Was die Maschine nicht kann
Sie kennt Ihre Branche nicht. Sie erfindet keinen Begriff, aber sie wählt beharrlich den falschen, wenn zwei möglich sind. Sie hält den Ton nicht über zwanzig Seiten durch, wenn Sie ihn nicht vorgeben. Sie versteht Schweizer Besonderheiten nicht zuverlässig: Betreibung, Stockwerkeigentum, Lehrstelle. Und sie merkt nicht, wenn ein Satz auf Italienisch zwanzig Prozent länger wird und Ihr Menü dann umbricht.
Mundart übersetzt sie ohnehin nur mit gemischtem Erfolg, und wer sie mit einem Dialekttext füttert, bekommt oft Hochdeutsch mit Schreibfehlern zurück.
Die Entscheidungsregel
Öffentliche Texte ohne Personendaten, also Website, Blog, Produktbeschreibungen: Gratisversion genügt, Gegenlesen zwingend. Interne oder vertrauliche Dokumente mit Namen, Zahlen oder Verträgen: entweder ein Bezahlabo mit Auftragsbearbeitungsvertrag oder ein Dienst mit Verarbeitung in der Schweiz. Rechtstexte: Mensch.
Was beim Umgang mit Personendaten in KI-Werkzeugen nach revidiertem Datenschutzgesetz gilt, steht ausführlicher in den Beiträgen im Artikelarchiv von ejaj.ch.
Quellen
- Steiger Legal, «DeepL kostet vier Mal so viel wie noch vor einem Jahr für Unternehmen», 28. Oktober 2025: steigerlegal.ch
- Infomaniak, Medienmitteilung zur Lancierung von Euria, 9. Dezember 2025: presseportal.ch
- DeepL, «Expanding our data infrastructure», zum Wechsel auf AWS per Mai 2026: deepl.com
- DeepL, Nutzungsbedingungen, zur Einschränkung des Gratisdienstes: deepl.com
- Infomaniak, kSuite-Preise: infomaniak.com
- Infomaniak, Preisübersicht kSuite: infomaniak.com
- EDÖB, «KI und Datenschutz»: edoeb.admin.ch