Föifzähtuusig Franke, wenn d'Hochschuel mitmacht
Der Innovationsscheck von Innosuisse, die Bedingungen im Kleingedruckten und was von den kantonalen Digitalmillionen wirklich bei KMU ankommt
Die meisten KI-Projekte in einem KMU scheitern nicht am Werkzeug, sondern an der Frage davor: Geht das überhaupt, mit unseren Daten, in unserem Prozess? Diese Frage zu beantworten kostet Geld, und sie bringt noch keinen Franken Umsatz. Genau für diesen Schritt gibt es ein Bundesinstrument, das erstaunlich wenige kennen.
Der Innovationsscheck von Innosuisse
Innosuisse, die Schweizerische Agentur für Innovationsförderung, vergibt einen Innovationsscheck über maximal 15’000 Franken. Damit finanziert der Bund eine Vorstudie, die eine Schweizer Forschungsstätte für Sie durchführt.
Der wichtigste Punkt zuerst, weil er oft falsch wiedergegeben wird: Innosuisse finanziert 100 Prozent der Kosten des Forschungspartners bis zu 15’000 Franken. Gedeckt sind Personal- und Materialkosten der Hochschule, ausdrücklich kein Overhead. Ihr eigener Aufwand wird nicht vergütet. Das Geld fliesst also nicht an Sie, sondern für Sie, und zwar an die Hochschule.
Die Bedingungen, die in Zusammenfassungen gerne untergehen:
- Weniger als 250 Vollzeitstellen. Bei Konzernstrukturen zählt die gesamte Organisation, nicht die einzelne Gesellschaft.
- Sitz in der Schweiz mit UID-Nummer.
- Der Forschungspartner muss vor der Eingabe feststehen. Sie reichen nicht eine Idee ein und suchen dann jemanden.
- Nur beitragsberechtigte Forschungsstätten. Hochschulen, nichtkommerzielle Forschungsstätten ausserhalb des Hochschulbereichs, Ressortforschung und bundeseigene Forschungsanstalten. Eine private KI-Beratungsfirma qualifiziert nicht, auch nicht eine sehr gute.
- Höchstens alle zwei Jahre. Wer in den letzten zwei Jahren eine Gutschrift für eine Vorstudie erhalten hat, ist nicht zugelassen. Massgebend ist das Verfügungsdatum, nicht das Projektende.
- Bewertung in vier bis sechs Wochen, Projektdauer sechs Monate.
Laufende Eingabe, keine Fristen. Das Instrument war Mitte September 2026 offen; prüfen Sie den Stand vor dem Aufwand kurz auf der Innosuisse-Seite nach, Bundesinstrumente reagieren auf Budgetdruck.
Ein realistisches KI-Vorhaben in diesem Rahmen: Eine Fachhochschule prüft, ob Ihre zwölf Jahre Auftragsdaten sauber genug sind, um daraus eine Offertkalkulation abzuleiten, und sagt Ihnen am Ende, ob es geht und was es kosten würde. Das ist genau der Schritt, den sonst niemand bezahlen will.
Wenn die Vorstudie etwas hergibt, ist der nächste Baustein das Innovationsprojekt mit Umsetzungspartner. Dort finanziert Innosuisse die Kosten des Forschungspartners, Ihr Betrieb trägt 40 bis 60 Prozent der Gesamtprojektkosten und leistet mindestens 5 Prozent als Barbeitrag. Entscheid in der Regel innert sechs bis acht Wochen.
Was die Kantone dazu tun, und was nicht
Hier lohnt sich das genaue Hinschauen, weil Schlagzeilen über kantonale Digitalmillionen fast immer etwas anderes meinen als Förderung für Private.
Tessin. Am 12. Februar 2026 haben der Kanton Tessin, die Fondazione Agire, die ETH Zürich über das Supercomputing-Zentrum CSCS, die USI und die SUPSI eine Absichtserklärung unterzeichnet. Es ist ein Protocollo d’intesa, kein Finanzierungsvertrag, und es wird keine Summe genannt. Was Unternehmen davon haben: Wer mit USI, SUPSI, CSCS oder einer anerkannten Schweizer Forschungsstätte zusammenarbeitet, erhält Zugang zu Rechen-, Daten- und KI-Diensten des CSCS. Inhaltlich dreht sich die Erklärung um das Schweizer Sprachmodell Apertus, das auf dem Rechner Alps trainiert wurde. Der Kanton hat damit bereits ein internes Übersetzungssystem umgesetzt. Was Apertus im betrieblichen Alltag leistet und wo die Grenzen liegen, haben wir im Beitrag Apertus 1.5 im Betrieb einsetzen angeschaut.
Wer Geld statt Zugang sucht, findet es im Tessin bei den Mandati a centri di ricerca nach dem kantonalen Innovationsgesetz: 25 Prozent des Mandatswerts, maximal 50’000 Franken, Mindestinvestition 20’000 Franken, mindestens drei Vollzeitstellen, Gesuch innert dreissig Tagen nach Unterzeichnung des Vertrags mit dem Forschungszentrum. Die Massnahme ist technologieoffen, ein KI-Mandat fällt darunter.
Waadt. Am 2. September 2026 hat der Kanton Waadt seine Strategie zur digitalen Transformation vorgestellt, mit 16.4 Millionen Franken für 73 Massnahmen in den Jahren 2027 bis 2029. Zwei Einschränkungen gehören dazu: Der Betrag ist ein Kreditbegehren, über das der Grosse Rat erst noch befindet. Und er ist für die Digitalisierung der Kantonsverwaltung bestimmt, unter anderem für einen verwaltungsinternen KI-Assistenten. Für KMU ist davon kein Franken zugänglich. Wer das anders darstellt, verkauft Ihnen Hoffnung.
Der ehrliche Rat
Der Innovationsscheck ist dann etwas wert, wenn Sie eine echte technische Unsicherheit haben und eine Hochschule kennen, die dazu arbeitet. Er ist nichts wert, wenn Sie eigentlich nur ein Werkzeug einführen wollen. Für die Einführung von ChatGPT oder eines Protokollwerkzeugs gibt es keine Förderung, und es braucht auch keine.
Die zwei Fragen vor dem Antrag lauten deshalb: Gibt es in unserem Vorhaben etwas, das man nicht nachschlagen kann? Und kennen wir jemanden an einer Fachhochschule, der das schon einmal gemacht hat? Fällt eine der beiden Antworten Nein aus, sparen Sie sich die vier bis sechs Wochen.
Quellen
- Innosuisse, «Innovationsscheck»: innosuisse.admin.ch
- Innosuisse, «Innovationsprojekte mit Umsetzungspartner»: innosuisse.admin.ch
- Repubblica e Cantone Ticino, Medienmitteilung zum Protocollo d’intesa mit CSCS, USI, SUPSI und Fondazione Agire, 12. Februar 2026: ti.ch
- Repubblica e Cantone Ticino, «Mandati a centri di ricerca», Legge per l’innovazione economica: ti.ch
- Canton de Vaud, «Le Canton de Vaud présente sa stratégie de transformation numérique», 2. September 2026: vd.ch